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Erl? Wo ist Erl?

Erl – das ist ein kleines Dorf im Tiroler Unterland, direkt am Inn gelegen, der an dieser Stelle die Grenze zwischen Deutschland und Österreich markiert. Die nächstgrößere Stadt ist Kufstein, Innsbruck, Salzburg und München sind kaum eine Stunde Autofahrt entfernt. Erl selbst hat gerade mal eineinhalbtausend Einwohner, eine Hand voll Gasthäuser, sehr viele Kühe. Ein Dorf wie andere auch. Auf den ersten Blick.

Aber Erl kann eine ganz besondere Geschichte erzählen. Nah an der Grenze gelegen, hat es viele Kriege gesehen und wurde im Lauf der Jahrhunderte immer wieder zerstört. Im 17. Jahrhundert war es genug – die Bewohner legten einen Eid ab: sie würden alle sechs Jahre die Passion Jesu Christi aufführen, wenn sie nur verschont blieben von weiteren Kriegsgräueln. Erl blieb verschont; und Erl wurde Passionsspielort. Im Jahre 2013 erlebten wir im 400. Jahr die Jubiläumspassion. Kurz zuvor ereignete sich sogar ein kleines Wunder: Ein neues Festspielhaus wurde eröffnet. Und mit diesem hat Erl nun pro Einwohner ein Maximum an nahezu zwei Theaterplätzen zu bieten.

Wer Gustav Kuhn ist und wie er nach Erl kam, wie die Tiroler Festspiele Erl entstanden, was die Tiroler Festspiele Erl heute sind und was sie heute wollen, all das ist wiederum eine andere Geschichte. Und diese erklärt dann auch, warum hier überall Kühe und Kontrabässe herumwirbeln.

Die Erler sind mutige [Theater-]Menschen: Als 1959 ein neues Passionsspielhaus gebaut werden sollte, entschieden sie sich für den kühnen Entwurf des noch nicht 30jährigen Architekten Robert Schuller. Erl bekam ein Wahrzeichen der besonderen Art, eine markante Architektur mit sensationeller Akustik, die bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Errichtet mit der eigenen Hände Arbeit, ist das Passionsspielhaus für die Erler das Sinnbild ihrer Gemeinschaft.  Seit Beginn dürfen die Tiroler Festspiele Erl dieses Theater nützen und sind damit Teil des Dorfes geworden ‒ so wie die Erler auch zu den Festspielen gehören: als Darsteller, als Mitglieder der Feuerwehr hinter und auf der Bühne, als Techniker, Gastgeber und vieles mehr. Diese enge Verbindung zwischen den Einwohnern Erls, dem Passionsspielverein und den Festspielen macht die Tiroler Festspiele Erl unverwechselbar.

Gustav Kuhn

Der andere Teil der Geschichte heißt Gustav Kuhn. Aufgewachsen in Salzburg, hatte er mit 25 Jahren zwei Universitätsabschlüsse in der Tasche, begann seine Dirigentenlaufbahn in Istanbul, setzte sie fort in Neapel, Berlin, Rom, Paris, New York und vielen anderen bedeutenden Opern- und Konzerthäusern der ganzen Welt. Dabei hat er nie ein Blatt vor den Mund genommen, wenn es darum ging, die Missstände des Klassik- und Opernbetriebs zu kritisieren. Jungen Musikern würden unnötige Steine in den Weg gelegt, vielversprechende Begabungen administrativen Auswüchsen geopfert. Die Antriebsfeder für Gustav Kuhns rastloses kreatives Schaffen, aber auch für seine Kritik ist seine Liebe zur Musik. Musik ist für Gustav Kuhn Lebenselixier und Ansporn zu immer neuer Aktivität, zu Wandlung und Neubeginn.

Vom Neubeginn zum eigenen Festspielhaus

Musik ist für Gustav Kuhn Lebenselixier und Ansporn zu immer neuer Aktivität, zu Wandlung und Neubeginn.

Ein solcher Neubeginn sind die Tiroler Festspiele Erl, die Gustav Kuhn 1997 gründete. Für ihn einerseits die Verwirklichung eines Lebenstraums: eigene Festspiele veranstalten. Und andererseits Ausdruck seines Bestrebens, junge Musiker und Musikerinnen zu fördern – kurz: die Liebe zur Musik am Leben zu erhalten. Daher arbeiten die Festspiele auch von Anbeginn an sehr eng mit der von Gustav Kuhn gegründeten Accademia di Montegral  zusammen. Obwohl - oder gerade weil - sich die Festspiele immer auch auf die Förderung junger Künstler konzentriert haben,  hat sich seit 1998 ein Festival mit internationalem Anspruch etabliert, zu dem die Menschen vor allem aus dem deutschsprachigen Raum anreisen, aber auch aus anderen Teilen Europas, sogar aus den USA oder Japan. Die Tiroler Festspiele Erl sind – wie sollte es bei einem künstlerischen Leiter wie Gustav Kuhn auch anders sein – nicht irgendein Musikfestival.

Was Maestro Kuhn anstrebt, ist ein „Festival der Auseinandersetzung“. Wenn er Regie führt, stellt er die Tradition auf den Prüfstand oder bekennt sich ganz bewusst zu dieser. Und wenn Maestro Kuhn das Dirigentenpult betritt, dann kommt die musikalische Substanz der Werke ans Tageslicht.

Von anderen zum „Rebellen“ abgestempelt, arbeitet Kuhn seit 1998 unbeirrt an seiner Vision von Musik und Musiktheater. Spektakuläre Projekte wie der „Ring in 24 Stunden“ [2005] markieren dabei künstlerische Höhepunkte der besonderen Art. All seine künstlerischen Bestrebungen führen dazu, dass man auch andernorts - auch in Bayreuth - auf Gustav Kuhn und seine vor allem auch bei Wagners Werk der Wahrheit in der Musik verschriebenen Festspiele aufmerksam wird. Dieses bei Wagnerfans weltweit geweckte Interesse führte zur Bekanntschaft mit Dr. Hans Peter Haselsteiner, seinerzeit CEO der Strabag SE. Hasesteiner und Kuhn verstehen sich auf Anhieb, was über kurz oder lang dazu führte, dass Hans Peter Haselsteiner Präsident der Tiroler Festpsiele Erl wurde und Gustav Kuhn ein neues Festspielhaus bekam, um auch im Winter seinem ungebremsten künstlerischen Tatendrang in Erl nachgehen zu können.

Seitdem finden die Tiroler Festspiele Erl sowohl im Sommer als auch an 12 Tagen im Winter statt. Feierlich eröffnet wurde das zum größten Teil von der Haselsteiner Familien-Privatstiftung finanzierte Festspielhaus am 26. Dezember 2012. Das neu errichtete, architektonisch einzigartige Gebäude ist auch ein Zeichen dafür, was Musik in Kombination mit einer künstlerischen Vision alles bewirken kann.

Wenn Musik Selbstbestimmung ist, dann sind die Tiroler Festspiele Erl Freiheit. „Freiheit zu etwas“, nicht „von etwas“, wie Maestro Kuhn betont. Freiheit dazu, mit Elan und Ehrlichkeit zu arbeiten. „Denn alles andere passt nicht zu uns.“ Und so gibt es eine mathematisch-poetische Formel, die Kuhns Wirken für die Festspiele auf den Punkt bring:

ERL + KUHN = TIROLER FESTSPIELE ERL!

 

Kontakt

Tiroler Festspiele Erl

Betriebsgesm.b.H.
Mühlgraben 56a
A-6343 Erl
T +43 (0)53 73 / 81 000
F +43 (0)53 73 / 81 000 85
Karten: T +43 (0)53 73 / 81 000 20
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