Camerata Salzburg III

JOHANNES BRAHMS
Gesang der Parzen op. 89
Schicksalslied op. 54
Sinfonie Nr. 4 e-Moll op. 98

Camerata Salzburg

Musikalische Leitung Titus Engel


Vor der Komposition seiner vierten Symphonie tauschte sich Brahms mit dem mit ihm befreundeten Dirigenten Hans von Bülow über die Idee aus, ihrem Finale die Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Kantate „Nach dir, Herr, verlanget mich“ zugrunde zu legen. In der Tat baute Brahms dann das Finale der von ihm selbst bei der Uraufführung in Meiningen dirigierten Symphonie als mächtige Orchesterchaconne auf, mit der er sein symphonisches Schaffen abschloss und der Erler Brahms-Zyklus endet. Dessen Dirigent Titus Engel stieß übrigens auf eine bemerkenswerte Fotografie aus der Brahms-Zeit, auf der die Streicher der von Bülow geleiteten Berliner Philharmoniker im Stehen spielend (mit Ausnahme der Cellisten) zu sehen sind. Engel nimmt dies als
historische Anregung auf und lässt im Brahms-Zyklus die Streicher zwecks besserer klanglicher Präsenz stehend musizieren. Die dunkle und herbe Stimmung der vierten Symphonie ist auch den vorangestellten Symphonischen Chorwerken „Schicksalslied“ (aus Hölderlins Roman „Hyperion“) und „Gesang der Parzen“ (aus Goethes Schauspiel „Iphigenie auf Tauris“) eigen, in denen die privilegierte Stellung der in himmlischen Regionen wohnenden Götter und Genien gegenüber den in nächtlichen Tiefen im
Finsteren und Ungewissen gebundenen Menschen zum Ausdruck kommt – ein zentrales Thema nicht zuletzt von Brahms’ gesamter symphonischer Weltanschauungsmusik.
-erle-

 

 

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Fr 29. Jul
19:00 Uhr → Festspielhaus

Camerata Salzburg

Titus Engel

Musikalische Leitung


Camerata Salzburg

Die Camerata Salzburg musiziert „voll revolutionärer Energie und utopischem Potenzial, kompromisslos individuell, kühn und modern – und doch klassisch stringent“, wie die Salzburger Nachrichten anlässlich eines Konzertes zum 60-jährigen Bestehen des Orchesters befanden. Der Musizierstil der Camerata wurde in den mehr als sechs Jahrzehnten ihres Bestehens von  der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit Musikerpersönlichkeiten wie Bernhard Paumgartner, Géza Anda, Sándor Végh, Sir Roger Norrington und András Schiff geprägt. Bedeutende MusikerInnen wie Clara Haskil, Dietrich Fischer-Dieskau, Heinz Holliger, Aurèle Nicolet, Wolfgang Schneiderhan, Christoph Eschenbach, Philippe Herreweghe, René Jacobs, Franz Welser-Möst und Peter Ruzicka konzertierten mit dem Kammerorchester, dessen Besetzung von chorisch aufgeführten Streichquartetten bis zu romantischer Symphonik und Werken der Moderne reicht. Der Klangkörper zählt in Mozarts Geburtsstadt als Konzert- und Opernorchester zu den Stammensembles der Salzburger Festspiele und Salzburger Mozartwoche und hat einen eigenen Abonnementzyklus in seiner Heimstätte, dem Mozarteum. Das Orchester konzertiert regelmäßig in Musikzentren wie dem Wiener Konzerthaus, der Elbphilharmonie Hamburg, dem Konzerthaus Berlin, dem Festspielhaus Baden-Baden, im Bregenzer Festspielhaus, beim Carinthischen Sommer, den Haydn-Festspielen Eisenstadt, in München, London, Florenz, Moskau, St. Petersburg, Bejing, Tokyo und in den Festspielstädten Aix-en-Provence und Luzern. Konzertreisen führten das Orchester in alle Erdteile der Welt. Mehr als 60 Platten- und CD-Aufnahmen, von denen viele mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurden, dokumentieren die Musizierkultur der Camerata Salzburg aus sechs Jahrzehnten. Die beiden Gesamteinspielungen von Mozarts Klavierkonzerten mit den ungarischen Pianisten Géza Anda und András Schiff sowie die Gesamtaufnahme von Mozarts Serenaden und Divertimenti unter der Leitung von Sándor Végh bilden Meilensteine der Schallplattengeschichte.

 

Gegründet im Jahr 1952 mit Lehrern und Studenten des Salzburger Mozarteums, avancierte die Camerata mit Mozart-Matineen schon bald zu einem Herzstück der Salzburger Festspiele. Ins Leben gerufen wurde das Ensemble vom Mitbegründer und späteren Präsidenten der Festspiele, Bernhard Paumgartner. Dem Dirigenten, Pädagogen und Musikwissenschaftler ging es mit der Camerata um die Bewahrung und gleichzeitig um die Belebung eines klassischen und klassizistischen Musikgeistes. Der Name – ursprünglich Camerata Academica des Salzburger Mozarteums – wurde als Anlehnung an die historische Camerata Fiorentina der Renaissance gewählt. Bereits unter der Ägide Bernhard Paumgartners galt als maßgebliche Ausrichtung des Ensembles, was auch heute eine organisatorische und künstlerische Maxime ist: Musizieren in Eigenverantwortung mit Gemeinschaftssinn. In der Camerata Salzburg bekam die Form des Kammerorchesters eine vorbildhafte Tradition. Die Musikerinnen und Musiker musizieren mit Dirigenten, aber auch geleitet von Solisten oder vom Konzertmeister sowie in kleineren kammermusikalischen Besetzungen.Herausragende Solistinnen und Solisten wie Anne-Sophie Mutter, Hilary Hahn, Patricia Kopatschinskaja,Julian Rachlin, Daniel Hope, Benjamin Schmid, Joshua Bell, Thomas Zehetmair, Augustin Dumay, Veronika Hagen, Mitsuko Ushida, Elisabeth Leonskaja, Claire-Marie Le Guay, Yu Kosuge, Oleg Maisenberg, Murray Perahia, Olli Mustonen, Alexander Lonquich, Till Fellner, Fazil Say, Stefan Vladar, Heinrich Schiff, Patrick Demenga und François Leleux sowie Sängerinnen wie Genia Kühmeier, Vesselina Kasarova, Christiane Oelze und Elina Garanca zählen zu den Gästen auf dem Camerata-Podium. Die ehemaligen Konzertmeister Gérard Korsten und Alexander Janiczek kehren als Leiter von Konzerten immer wieder zum Orchester zurück.

 

Im Zentrum des Repertoires stand von Anfang an naturgemäß das Schaffen des Genius loci Mozart sowie die Musik von Haydn, Beethoven und Schubert. Im Rahmen der Mozart-Matineen der Salzburger Festspiele führte die Camerata über Jahrzehnte hinweg unzählige symphonische und konzertante Werke Mozarts auf und prägte damit einen typischen „Salzburger Mozart-Klang“, der immer wieder frische Impulse erhielt. Seit 1956, als die erste Mozartwoche in Salzburg stattfand, richtet die Camerata auch bei diesem renommierten Festival das Hauptaugenmerk auf ihr Kernrepertoire mit Musik der Wiener Klassik. Bereits in der ersten Mozartwoche kam es auch zur Mitwirkung als Opernorchester.

 

Die Weiterentwicklung des Orchesters nach der Ära Paumgartner wurde zunächst von Antonio Janigro getragen, unter dessen künstlerischer Leitung ab 1974 der erste eigene Abonnementzyklus des Orchesters ins Leben gerufen wurde. Als Geigensolist musizierte mit der Camerata in jener Zeit Sándor Végh, der 1978 die künstlerische Leitung des Orchesters übernahm und parallel zu seinem Wirken als Pädagoge am Salzburger Mozarteum herausragende junge Musikerinnen und Musiker in den Klangkörper einbezog. Sándor Végh verwirklichte ein Musizier-Ideal des Streichquartetts auf größer besetzter Ebene und förderte die individuelle Gestaltungsweise der einzelnen Orchestermitglieder innerhalb und zugunsten des Kollektivs. Végh ließ Kammermusikwerke in chorischer Besetzung spielen und erweiterte gleichzeitig das kammerorchestrale Repertoire auf Musik der Romantik (u. a. Mendelssohn Bartholdy, Brahms, Dvorˇák, Tschaikowsky) und der klassischen Moderne (Bartók, Strawinsky, Schönberg). Mit der „Begegnung“ rief die Camerata außerdem ein eigenes Festival ins Leben und erhielt ab 1987 im Wiener Konzerthaus einen Zyklus. Ab 1993 kehrte die Camerata auch als Opernorchester zu den Salzburger Festspielen zurück („Lucio Silla“, „La clemenza di Tito“, „Le nozze di Figaro“, „The Rake’s Progress“ u. a.).

 

Bei der Mozartwochen-Produktion von Mozarts „Mitridate, Re di Ponto“ im Jahr 1997 wurde mit Sir Roger Norrington ein Nachfolger für den verstorbenen Sándor Végh gefunden. Sir Roger verband von 1998 bis 2006 als Chefdirigent den charakteristischen Ensemblestil der Camerata mit seinen Erfahrungen im historisch informierten Musizieren. Die Salzburger Festspiele widmeten der Camerata und Norrington einen eigenen Konzertzyklus. 2007 übernahm Norringtons Stellvertreter, der Geiger Leonidas Kavakos, für drei Jahre die künstlerische Leitung. 2011 wurde Louis Langrée zum Chefdirigenten bestellt, in dessen Musizierstil und Repertoireschwerpunkten die Camerata eine große Übereinstimmung und ebenso viele inspirierende Akzente findet. Auch im siebten Jahrzehnt ihres Bestehens bewahrt sich die Camerata Salzburg eine „Spielfreude, die ansteckend wirkt“ (Neue Zürcher Zeitung).


Titus
Engel

Offenheit für innovative Konzertformate im Verbund mit einer technischen Präzision sondergleichen zeichnen Titus Engel als einen der führenden kreativen Köpfe unter den Dirigenten seiner Generation aus. Der in Berlin ansässige geborene Zürcher – vom Magazin Opernwelt als Dirigent des Jahres 2020 ausgezeichnet – ist regelmäßiger Gast bei großen europäischen Orchestern und führenden Ensembles für zeitgenössische Musik. Neben seiner Beschäftigung mit neuester Musik und sinfonischen Werken des 19. und 20. Jahrhunderts hegt er eine tiefe Leidenschaft für Barockmusik und historische Aufführungspraxis. Immer bereit, in der Auseinandersetzung mit szenischen Konzepten am Pult neue Wege zu beschreiten, begreift er insbesondere Musiktheater als Experimentierfeld, auf dem auch gesellschaftliche Utopien gedeihen können.

 

Nachdem ihn Gérard Mortier 2011 ans Teatro Real Madrid einlud, begann Titus Engel seine internationale Laufbahn, welche u. a. an die Vlaamse Opera (Czernowins Infinite now, Uraufführung des Jahres 2017), die Staatsoper Hamburg, die Staatsoper Berlin, die Komische Oper Berlin, die Oper Frankfurt, das Theater Basel (Stockhausens Donnerstag aus Licht, Aufführung des Jahres 2016), das Grand Théâtre de Genève und die Oper Stuttgart sowie die Salzburger Festspiele, Berliner Festspiele, Lucerne Festival und ans Wiener Konzerthaus führten. Er leitete unter anderem Monteverdis L‘Orfeo, Wagners Der Fliegende Holländer, Bergs Wozzeck, Offenbachs Fantasio, Telemanns Orpheus und Mozarts Betulia Liberata, Humperdincks Hänsel und Gretel und Verdis La Traviata.

 

In der Saison 2020/21 war er wieder zu Gast an der Opera de Lyon (Bartók: Herzog Blaubarts Burg), mit dem SWR Symphonieorchester bei den Donaueschinger Musiktagen und mit dem Klangforum Wien bei den Wittener Tagen für Neue Kammermusik. In Ljubljana leitete er zudem das Slovenian Philharmonic Orchestra.