Zwischen Bunker und Klosterzelle: Deborah Warner und Antony McDonald über Cléopâtre / Suor Angelica
Wenn Regisseurin Deborah Warner und Bühnenbildner Antony McDonald über ihre neue Doppelproduktion sprechen, entsteht ein feines Spannungsfeld zwischen Intimität und Monumentalität. Berlioz’ selten gespielte Kantate Cléopâtre wird in einer winzigen Kammer angesiedelt – ein beklemmender, fast bunkerhafter Raum, der zugleich Anklänge an Pyramiden, Embalming Rooms und Autopsiesäle trägt.
„Es ist ein winziger Raum, mitten auf der riesigen Bühne. Ein Ort, der zugleich Bunker, Pyramidenkorridor und Leichenkammer sein kann – die Zuschauer dürfen ihre eigenen Assoziationen haben.“ (Deborah Warner)
Hier ringt eine glamouröse, doch gescheiterte Königin um ihre letzte Entscheidung: bewusst zum Tod entschlossen oder erst im Verlauf der Musik dahin getrieben? „Die Frage ist: Weiß Cleopatra von Anfang an, dass sie sterben wird – oder entdeckt sie es erst im Laufe der zwanzig Minuten?“ so Warner.
Ganz anders der zweite Teil: Puccinis Suor Angelica. Nach der klaustrophobischen Enge öffnet sich der Raum in eine strenge Klosterwelt. Reihen dunkler Schränke, Tische für minutiöse Handarbeiten, ein Alltag voller Disziplin – und doch von caravaggiohaftem Licht durchzogen.
„Wir wollen keine singenden Klischee-Nonnen, sondern reale Frauen, in abgetragenem Leinen, mit Arbeit, Geschichten, Würde.“ (Antony McDonald)
Statt süßlicher Sound of Music-Heiterkeit zeigt Warner die Nonnen in konzentrierter Strenge: „Rekreation bedeutet hier nicht Herumtollen, sondern kontrollierte Arbeit – Miniaturen malen, Manuskripte illuminieren. Das macht diese Welt glaubwürdig.“
In diese hermetische Ordnung bricht die Principessa mit ihrer grausamen Botschaft von außen ein. Am Ende jedoch verwandelt sich das Dunkel: 150 Kerzen, ein gleißendes Licht, die Vision des Kindes – ein Wunder, das Erlösung schenkt.
„Ein Abend der Extreme: erst die Verdichtung und Ausweglosigkeit, dann die Öffnung ins Licht. Zwei Todesgeschichten, ja – doch die eine endet in Verzweiflung, die andere in Transzendenz.“ (Deborah Warner)