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07.05.2026
Die Zeit still stehen lassen
Time Stands Still lautet der Titel des Kammerkonzerts, das Mitglieder des Münchner Staatsorchesters und die Sängerin Eirin Rognerud am 9. Mai in Erl bestreiten. Wir haben im Vorfeld mit dem Soloklarinettisten Markus Schön darüber gesprochen, wie das Programm entwickelte und was uns erwartet.

Lieber Herr Schön, wie ist dieses ungewöhnliche Konzertprogramm mit Alter Musik in Bearbeitungen für ein von Klarinetten dominiertes Ensemble entstanden? 

Wir haben in dieser Besetzung mit Instrumenten aus der Klarinettenfamilie schon einmal ein anderes Programm gemacht. In dem Fall waren es drei Bassetthörner plus drei Stimmen. Es gibt nämlich sechs Notturni von Mozart, die genau für diese Besetzung geschrieben sind. Ausgehend davon hatten wir im selben Programm auch andere Stücke, die ich bearbeitet hatte: Gamben- und Cembalo-Musik von Marais, Couperin und Rameau. Aus dieser Zusammenarbeit hat sich von allen Beteiligten der Wunsch nach einer Fortsetzung gegeben, insbesondere mit der Sopranistin Eirin Rognerud, die nun auch in Erl singen wird. Und es entstand die Idee, dabei in Richtung ältere Musik zu gehen. Wenn ich es ganz persönlich sage, sind dies nun im neuen Programm allesamt Stücke, die mir sehr am Herzen liegen.

 

In diesem neuen Kammerkonzertprogramm ist ganz unterschiedliche Musik enthalten, auch hinsichtlich ihres ursprünglichen Verwendungszwecks bzw. der Gattung: Bühnenmusik, Lieder, ein Solo-Werk für Tasteninstrument … Wie haben Sie das Programm dramaturgisch aufgebaut?

Wir beginnen mit Music for a While, das ist über einen fortlaufenden Bass, wie eine Chaconne, geschrieben. Dann kommen die Goldberg-Variationen, 30 Veränderungen über ein Thema, wobei in Wahrheit das Thema auch vom Bass kommt. Mit anderen Worten: Vor der Pause hört man erst eine Chaconne und dann hört man Variationen, die sehr vielfältig sind und unheimlich viele Genres beinhalten. Music for a While spielt ein bisschen an auf den Grafen an, für den die Goldberg-Variationen der Legende nach von Bach geschrieben wurden, um ihn in Stunden seiner Schlaflosigkeit zu erheitern.

Nach der Pause setzen wir fort mit dem Motto des Konzerts, nämlich Time Stands Still von Dowland. Dann kommen die Fantazias von Purcell, die zwar in dem Sinne keine geistliche Musik darstellen, aber sehr „privat“ geschrieben wurden. Als junger Mensch hat er Musik geschrieben, die bereits altmodisch war, eigentlich veraltet. Es ist nicht bekannt, warum er das gemacht hat, jedenfalls hat er eine alte musikalische Sprache weiterentwickelt, und dabei herausgekommen sind sehr feine, intime Gebilde. Wir bleiben im Programm sozusagen „spirituell“: Thou Mighty God von Dowland ist eine Hymne an die Geduld und die Hoffnung im christlichen Sinne.

Und dann erfolgt  – obwohl keine Pause ist, ein großer Schnitt ins Weltliche. Einfach, blumig ausgedrückt: „Carpe Diem“, also „Nütze den Tag und folge den freudigen Sinnen“. Die Schauspielmusik The Old Bachelor von Purcell ist sehr weltlich, mit deftigen Tänzen. Zum Schluss: The Fairest Isle als Hymne an Großbritannien als die Insel der Liebe.

 

Die Goldberg-Variationen in einem Klarinetten-Arrangement – das ist sehr ungewöhnlich.

Die Goldberg-Variationen wurden für ein zweimanualiges Cembalo geschrieben. Sie mit vier Klarinetten-Instrumenten zu spielen, bietet einige Vorteile. Man kann der Polyphonie viel leichter folgen, wenn man vier Protagonisten hat; es kommen auch eine vierstimmige Fuge und neun Kanons auf verschiedenen Tonstufen in den Variationen vor. Und es gibt sehr, sehr langsame Variationen. Wenn man nun ein Ensemble aus Blasinstrumenten hat, ist dieses lange Legato, sind diese langen Linien, die bei einem Cembalo wirklich sehr anspruchsvoll mitzuverfolgen sind, doch eingängiger für die Hörer:innen. Obwohl diese Besetzung vielleicht erst mal komisch wirkt auf den ersten Blick, finde ich sie sehr überzeugend.

 

Sie beschäftigen sich schon länger mit Alter Musik?

Ja, ich liebe Alte Musik. Ich spiele viele historische Instrumente mit verschiedenen Partner:innen und Ensembles, etwa Concerto Köln. Schon seit langem arbeite ich regelmäßig mit dem Hammerklavierspieler Christoph Hammer zusammen.  

 

Haben Sie bereits in Erl gespielt?

Nein, ich bin schon ganz gespannt. Euer Intendant ist ja immerhin unser berühmtester Tenor …

Time stands still, 09.05.2026 im Festspielhaus Erl, 19:00