Besonders die Musiktheaterproduktionen fanden begeisterte Resonanz bei den internationalen Medien und beim Publikum; sie waren zu 92 Prozent ausgelastet. Die mit Spannung erwartete erstmalige szenische Umsetzung der Kantate Cléopâtre in Kombination mit Puccinis Suor Angelica berührte und begeisterte durch die sensible Personenführung von Star-Regisseurin Deborah Warner und die intensiven sängerisch-darstellerischen Verkörperungen der beiden Titelfiguren durch Véronique Gens und Corinne Winters.
Josef E. Köpplingers Inszenierung von Wagners Der fliegende Holländer im Passionsspielhaus geriet durch die Einbeziehung des gesamten Raumes und die Bühnengestaltung mit aufwändigen Projektionen zum immersiven Erlebnis. Christopher Maltman in der Titelfigur wurde von Presse und Publikum besonders gefeiert. 4.500 Personen gesamt sahen diese Erfolgsproduktion in drei ausverkauften Vorstellungen.
Wie spannend und emotional ergreifend zeitgenössisches Musiktheater sein kann, stellte die österreichische Erstaufführung von Philip Venables’ We Are The Lucky Ones in der Regie von Ted Huffman unter Beweis. Die Generation der in den 1940er-Jahren Geborenen, auf deren Geschichten die Szenen der Oper basierten, konnte sich darin ebenso wiederfinden deren Kinder und die nachfolgende Generation. Die Festivalorganisatoren sind überzeugt, dass dieses Bekenntnis zur zeitgenössischen Oper von zentraler Bedeutung für die Positionierung der Tiroler Festspiele Erl ist. Im Jahr 2027 wird mit Accabadora von Francesco Filidei schon die nächste österreichische Erstaufführung präsentiert.
Konzertante Oper gehört mittlerweile auch zur „Erler Programm-DNA“: Bizets Meisterwerk Carmen geriet zum ausverkauften Sänger:innenfest mit Aigul Akhmetshina, Michael Fabiano, Alexander Vinogradov und Pretty Yende in den Hauptpartien.
Vielbeschäftigt wie stets waren Orchester und Chor der Tiroler Festspiele Erl in Opern und Konzertprojekten. Chefdirigent Asher Fisch leitete mit souveräner Hand den Fliegenden Holländer, Carmen und die Orchesterkonzerte. Als gefeierte Gastdirigenten standen Edward Gardner bei Cléopâtre/Suor Angelica und Bassem Akiki bei We Are The Lucky Ones am Pult.
Ausverkauft waren die beiden Vorstellungen von Urlicht Primal Light, in der die Musicbanda Franui gemeinsam mit der Gruppe Circa generationenübergreifend für Jubel sorgte – zumal, dank der Mitwirkung von Kindern der Tiroler Ballettschule, tatsächlich mehrere Genrerationen gemeinsam auf der Bühne standen.
Sehr erfolgreich war auch die heurige Wiederauflage der Reihe Film mit Musik in Kooperation mit den Musikfilmtagen Oberaudorf: Das Festspielhaus Erl wurde erneut zum Kinosaal, diesmal mit dem von The Dodge Brothers und Neil Brand live begleiteten Stummfilm Beggars of Life.
Großen Zuspruch ernteten weitere Projekte, für die hochkarätige künstlerische Gäste nach Erl kamen: das Kammerorchester Basel, die Pianist:innen Sophia Liu und Federico Colli sowie Waltraud Meier, Samuel Hasselhorn und Joseph Breinl mit einer von ihnen gestalteten Lesung mit Musik.
Intendant Jonas Kaufmann:
„Mit großer Freude und Dankbarkeit kann ich nach meiner zweiten Spielzeit Bilanz ziehen. Insbesondere die zweite Sommersaison zeigte, dass die ausgewogene Mischung in unserem Angebot vom Publikum sehr gut angenommen wird. Wir setzen nicht nur große Namen von Werken und Interpreten auf das Programm, sondern zeigen auch bewusst Musiktheater der Gegenwart und bieten jüngeren Stimmen und Musiker:innen die Bühne in Erl, die sie verdienen. Großer Dank an alle, die zum Gelingen unserer Saison beigetragen haben und an unser Publikum, das so zahlreich zu uns kommt. Wir freuen uns auf die Fortsetzung 2026/27.“
Die nächste Spielzeit der Tiroler Festspiele Erl beginnt mit dem Herbstfestival Ausklang (1. bis 3. Oktober 2026).