Claus Guth mit Österreichischem Musiktheaterpreis 2026 ausgezeichnet
Ein Brautpaar tritt auf. Eine Frau mit Koffer beobachtet die beiden. Judith folgt Blaubart in eine dunkle, zunächst fast leere Welt. Nach und nach fügen sich Wände, Bilder und Möbel zu einem bürgerlichen Interieur. Mit jeder Enthüllung wird es unheimlicher: Drei Frauen bewegen sich wie Puppen durch den Raum, alle in rosa Kleidern. Schließlich trägt auch Judith eines dieser Kleider. Zwischendurch klingelt ein Telefon.
Nach der Pause folgen wir der Frau mit dem Koffer in ein Hotelzimmer. Sie telefoniert mit dem Mann, der sie verlassen hat, beschwichtigt, hofft, verzweifelt. Das Telefon verbindet die beiden Opern, deren Geschichten sich nun ineinanderschieben. Die Frau kehrt in Blaubarts Welt zurück. Die beiden tanzen, Nähe und Bedrohung werden kaum noch unterscheidbar. Am Ende erschießt sie ihn. Blaubart bricht zusammen.
Claus Guth verbindet Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg und Francis Poulencs La voix humaine zu einem Psychodrama, in dem die Geschichte des ersten Teils im zweiten eine tödliche Wendung nimmt. Entstanden ist die Inszenierung im Sommer 2025 bei uns in Erl, in Koproduktion mit dem Maggio Musicale Fiorentino, wo sie im März 2026 zu sehen war. Dafür wurde Guth nun mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis 2026 in der Kategorie „Beste Regie“ ausgezeichnet. Wir gratulieren herzlich!