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Giuseppe Verdi: IL TROVATORE (konzertant)

Musikalische Leitung: Asher Fisch
Manrico: Piero Pretti
Luna: Mattia Olivieri
Leonora: Pretty Yende
Azucena: Elizabeth DeShong
Ferrando: Alexander Köpeczi
Ines: Nicole Chirka
Ruiz: Josip Švagelj
Orchester und Chor der Tiroler Festspiele Erl

Die TRILOGIA POPOLARE in Erl

Das kann nur böse enden: Wenn Sopran und Tenor einander lieben, platzt der Bariton dazwischen, der seinerseits „Besitzansprüche“ an den Sopran stellt. Logisch – man hat ihm schließlich keinen stimmlichen Widerpart (Mezzosopran oder Alt) zur Seite gestellt. Die Formel ist stark vereinfacht, aber sie greift: Verdi macht sich das Beziehungsmodell in „Rigoletto“, „Il Trovatore“ und „La Traviata“ zunutze und sorgt für waschechte Opernskandale.

 

Wo im Italien der 1850er Jahre ein überwiegend aristokratisches Publikum die Logen und Plätze in den Theatern füllt, stellt Verdi die gesellschaftlich Geächteten auf die Bühne und gibt ihnen eine Stimme, verkrustete Moralvorstellungen und Machtmissbrauch infrage zu stellen. Der Adel schnieft brüskiert, als sich ein singender Buckliger über die Bühne schleppt, als eine Prostituierte zur tragischen Heldin aufläuft. Was Violetta an den Rand der Gesellschaft treibt, hat Verdi am eigenen Leib erfahren: Die Bourgeoisie in Busseto reagiert empört auf Verdi, der mit der Sopranistin Giuseppina Strepponi, unverheiratet zusammenlebt – die noch dazu drei Kinder von verschiedenen Vätern hat. Strepponi ist nicht „gesellschaftsfähig“. Dass sie allein mit ihrem Gehalt den Unterhalt ihrer Kinder, ihrer Mutter und ihrer Geschwister bestreiten kann, erweicht das wohlhabende Bürgertum nicht zu einem „Freispruch“. Verdi hat genug von der Doppelmoral und zieht mit Strepponi aufs Land.

 

Wenn all die „Gefallenen“ schon nicht ohne Anfeindungen im Theater sitzen können, sollen sie zumindest auf der Bühne ihre Ruhe und die ungeteilte Aufmerksamkeit aller haben. Als wären seine Außenseiter-Portraits „Rigoletto“ und „La Traviata“ nicht Skandal genug, zündet Verdi mit „Il Trovatore“ ein hysterisch-schräges und allen psychologischen Tiefsinn niedertretendes Schau(er)stück. Es ist die Parteinahme für die Kreatur, die ihn antreibt. Die Figuren jagt er von einer zur nächsten Extremsituation in dieser eruptiven Partitur – Musik, die verhext. Angelockt von der surreal-schrillen Magie des Stücks hat sich Pretty Yende den Verdi-Zyklus in Erl für ihr Leonora-Debüt in „Il Trovatore“ ausgesucht. Überhaupt verspricht die „Trilogia popolare“ – im Konzert-Format – ein Festival der Stimmen zu werden. Mit Ludovic Tézier und Luca Salsi können die Festspiele die derzeit bedeutendsten Rigoletto-Interpreten in Erl vorstellen.

Team

Asher Fisch Musikalische Leitung

Asher Fisch ist einer der führenden international tätigen Opern- und Konzertdirigenten. Seit Saisonbeginn 2024/25 ist er Musikdirektor der Tiroler Festspiele Erl und seit 2014 Chefdirigent des West Australian Symphony Orchestra. Opernengagements führten ihn an die großen Opernhäuser, u. a. nach Wien, Mailand, München, Paris, Madrid, Chicago und Los Angeles. Als Wagner-Spezialist hat er zwei komplette Ring-Zyklen sowie Tristan und Isolde aufgenommen. Seine intensive Beschäftigung mit dem italienischen Repertoire mündete u. a. in ein Puccini-Album mit Jonas Kaufmann. Als Konzertdirigent leitete er namhafteste Orchester wie das New York Philharmonic, das Chicago Symphony, das San Francisco Symphony, das Cleveland Orchestra, das Philadelphia Orchestra, die Berliner Philharmoniker, die Münchner Philharmoniker, das Orchestre National de France und das London Symphony Orchestra. Darüber hinaus ist er ein gefragter Pianist.

Piero Pretti Manrico

Piero Pretti stammt aus Sardinien und studierte Gesang bei Gianni Mastino. Er begann seine Karriere 2006 als Rodolfo (La Bohème) bei einer italienischen Tourneeproduktion. Mittlerweile gastiert er weltweit an renommierten Bühnen, u. a. an der Wiener Staatsoper, an der Deutschen Oper Berlin, am Teatro Regio in Turin, am Teatro dell’Opera di Roma, am Gran Teatro La Fenice in Venedig, am Théâtre des Champs-Elysées in Paris, am Royal Opera House Convent Garden in London, am Teatro alla Scala in Mailand und an der Metropolitan Opera in New York. Sein Repertoire umfasst Partien wie Macduff (Macbeth), Manrico (Il trovatore), Ismaele (Nabucco), Alfredo Germont (La traviata), Pinkerton (Madama Butterfly), Lord Riccardo Percy (Anna Bolena), Edgardo (Lucia di Lammermoor), Riccardo (Un ballo in maschera), Rodolfo (La Bohème), Il Duca di Mantova (Rigoletto), Rodolfo (Luisa Miller), Turiddu (Cavalleria rusticana), Radames (Aida) und Calaf (Turandot).

Mattia Olivieri Luna

Mattia Olivieri wurde im italienischen Sassuolo geboren und studierte am Conservatorio di Bologna Giovanni Battista Martini in Bologna. Seit 2015 gastiert der Bariton regelmäßig am Teatro alla Scala in Mailand, wo er u. a. als Schaunard (La Bohème), Masetto (Don Giovanni), Malatesta (Don Pasquale), Dandini (La Cenerentola) und Mercutio (Roméo et Juliette) auftrat. Weitere Engagements führten ihn u. a. an die Metropolitan Opera in New York, die Bayerische Staatsoper in München, das Teatro del Maggio Musicale Fiorentino, das Teatro di San Carlo in Neapel, die Niederländische Nationaloper in Amsterdam, das Gran Teatro La Fenice in Venedig, das Royal Opera House Covent Garden in London, das Gran Teatre del Liceu in Barcelona, das Theater an der Wien, die Wiener Staatsoper sowie zu den Salzburger und den Bregenzer Festspielen. Bei den Tiroler Festspielen Erl im letzten Winter als Sir Riccardo Forth (I puritani) zu hören.

Pretty Yende Leonora

Die südafrikanische Sopranistin Pretty Yende war Stipendiatin am South African College of Music in Kapstadt und absolvierte die Accademia Teatro alla Scala in Mailand, wo sie ihr Debüt als Berenice (Rossinis L’occasione fa il ladro) gab. Ihre vielbeachtete Karriere führte sie an die großen Opernbühnen der Welt, darunter die Metropolitan Opera in New York, die Los Angeles Opera, die Opéra national de Paris, die Wiener Staatsoper, die Bayerische Staatsoper, die Staatsoper Unter den Linden Berlin, das Grand Théâtre de Geneve, das Opernhaus Zürich das Royal Opera House Covent Garden in London, das Théâtre des Champs-Elysées und das Gran Teatre del Liceu in Barcelona. Zu ihrem großen Repertoire gehören u. a. Partien wie Violetta (La traviata), Elvira (I puritani), Amina (La sonnambula), Pamina (Die Zauberflöte), Susanna (Le nozze di Figaro), Juliette (Roméo et Juliette) sowie die Titelpartien in Manon und Lucia di Lammermoor.

Elizabeth DeShong Azucena

Die Mezzosopranistin Elizabeth DeShong stammt aus den USA und absolvierte ihre Ausbildung am Oberlin Conservatory of Music in Ohio sowie am Curtis Institute of Music in Philadelphia. Sie tritt auf den renommiertesten Opernund Konzertbühnen der USA und Europas auf, darunter die Metropolitan Opera in New York, die San Francisco Opera, die Lyric Opera of Chicago, die Los Angeles Opera, die English National Opera, die Wiener Staatsoper sowie die Festivals von Glyndebourne und Aix-en-Provence. Zu ihrem umfangreichen Opernrepertoire zählen Partien wie Angelina (La Cenerentola), Rosina (Il barbiere di Siviglia), Komponist (Ariadne auf Naxos), Hermia (A Midsummer Night’s Dream), Hänsel (Hänsel und Gretel), Maffio Orsini (Lucrezia Borgia), Fenena (Nabucco), Suzuki (Madama Butterfly), Sesto (La clemenza di Tito), Adalgisa (Norma) und Fricka (Das Rheingold). Als Azucena (Il trovatore) debütierte sie in der vergangenen Saison an der Staatsoper Stuttgart.

Alexander Köpeczi Ferrando

Der ungarisch-rumänische Bass Alexander Köpeczi begann seine musikalische Ausbildung als Pianist und studierte Gesang an der Musikakademie Gheorghe Dima in Cluj-Napoca (Rumänien). 2020 gewann er beim Internationalen Gesangswettbewerb Tenor Vinas in Barcelona den Sonderpreis für die beste Verdi-Interpretation. 2021 nahm er am Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil. Als Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper sang er in den Jahren 2022 bis 2024 u. a. die Partien Mönch (Don Carlo), Tom (Un ballo in maschera), Ramfis (Aida), Zuniga (Carmen) und Reinmar von Zweter (Tannhäuser). 2022 debütierte er am Royal Opera House Covent Garden in London, wo er seither mehrfach zu erleben war. Zu den jüngsten Highlights zählen seine Auftritte als Alvise Badoero (La Gioconda) am Teatro di San Carlo in Neapel, Sarastro (Die Zauberflöte) an der Komischen Oper Berlin und Colline (La Bohème) an der Metropolitan Opera in New York.

Nicole Chirka Ines

Die Mezzosopranistin Nicole Chirka wurde in Charkiw (Ukraine) geboren und studierte bei Alexander Vostryakov an der Nationalen Musikakademie der Ukraine Peter Tschaikowski in Kiew. Sie debütierte 2020 an der Ukrainischen Nationaloper in Kiew als Olga (Eugen Onegin). Ab der Spielzeit 2021/22 war sie zunächst Mitglied des Jungen Ensembles der Semperoper Dresden, und seit 2023 gehört sie dem Ensemble an. Zu den Partien, in denen sie dort auf der Bühne stand, zählen Hänsel (Hänsel und Gretel), Dritte Dame (Die Zauberflöte), Kate Pinkerton (Madama Butterfly), Küchenjunge (Rusalka), Teresa (La sonnambula), Emilia (Otello), Marta (Mefistofele), Flora (La traviata), Gouvernante (Pique Dame) und Zweite Magd (Elektra). 2022 nahm sie beim Young Singers Project der Salzburger Festspiele teil und verkörperte die Partien Glaša und Eine Frau (Kát’a Kabanová). 2024 kehrte sie als Blanche (Prokofjews Der Spieler) nach Salzburg zurück.

Josip Švagelj Ruiz

Der Tenor Josip Švagelj wurde 1993 in Zagreb geboren. Als Mitglied des Opernstudios der Musikakademie Zagreb war er in Rimski-Korsakows Oper Mozart und Salieri als Mozart zu erleben. 2023 gab er sein Debüt an der Nationaloper Zagreb als Merkur in Boris Papandopulos’ Amfitrion. Dort verkörperte er außerdem Ferrando (Così fan tutte), Gastone (La traviata), Schmidt (Massenets Werther) und Normanno (Lucia di Lammermoor). Sein vielfältiges Repertoire umfasst weiters u. a. die Partien Rodolfo (La Bohème), Alfredo (La traviata), Der indische Gast (Rimski-Korsakows Sadko), Nick (La fanciulla del West), Lenski (Eugen Onegin) und Peppe (Pagliacci). In Erl war er vergangenen Sommer in konzertanten Afführungen von Verdis „Trilogia popolare“ zu erleben.

Orchester und Chor der Tiroler Festspiele Erl

Orchester der Tiroler Festspiele Erl

Musik wächst aus der Begeisterung eines über die Jahre zusammengewachsenen, motivierten und exzellent vorbereiteten Ensembles. Im Sommer 1999 formierte sich das Orchester der Tiroler Festspiele Erl erstmals – und nunmehr spielen Musiker aus 20 Nationen zusammen. Schon im ersten Jahr stellte sich der beispiellose Erfolg des Klangkörpers ein, der die Tiroler Festspiele Erl international bekannt machen sollte. Junge Spitzentalente, Musiker:innen aus großen internationalen Orchestern, Kammermusikspezialist:innen und Dozent:innen kommen jährlich im Sommer und Winter, seit 2017 auch im Herbst und im Frühling im Rahmen der Tiroler Festspiele Erl zusammen. Unter der Leitung des Festspielgründers Gustav Kuhn gelang es dem Orchester, Lobeshymnen der internationalen Kritik zu ernten und seinen Ruf als eines der besten Wagnerorchester der Welt zu festigen. Mit Beginn der Intendanz von Jonas Kaufmann im September 2024 hat der im Opern- und im Konzertbereich international gefragte Dirigent Asher Fisch die Leitung des Orchesters übernommen.

Zum Repertoire des Orchesters gehören neben den zehn großen Musikdramen Richard Wagners und Opern von Strauss, Mozart, Beethoven, Verdi und Rossini auch die Symphonien Beethovens und viele weitere zentrale Werke des Konzertrepertoires vom Barock bis hin zur Romantik sowie zeitgenössische Werke und Uraufführungen.

Chor der Tiroler Festspiele Erl

Der 2007 gegründete Chor steht dem Festspiel-Orchester als ebenbürtiger musikalischen Partner zur Seite. Der Fokus liegt dabei auf einer sorgfältigen Pflege der Einzelstimme. Im Rahmen der Festspiele werden mit den Sängerinnen und Sängern vielseitige Projekte von a-cappella-Programmen bis zu Konzert- und Opernproduktionen erarbeitet. Seit der Eröffnung des Festspielhauses Erl 2012 gilt ein weitere Schwerpunkt im Repertoire den Werken des Belcantos und den Opern Verdis.

Auch die Entwicklung eines barocken Chorklangs bei Bach und seinen Zeitgenossen bildet eine wichtige Aufgabe in der Arbeit des Ensembles, das seit 2009 auch eine enge Verbindung mit der Capella Minsk, dem Staatlichen Akademischen Chor der Republik Belarus, hat. Dieses 1940 gegründete Chorkollektiv hat sich die Bewahrung der belarussischen Volksmusik sowie die (Ur-)Aufführung der Werke moderner und zeitgenössischer Komponisten zur Aufgabe gemacht.

Der Chor zeichnet sich durch hohe Intonationssicherheit, Harmonie, Vielfalt und dynamischen Klang aus – Basis für zahlreiche Tourneen durch ganz Europa in den vergangenen Jahren. Das Repertoire umfasst Requien, Messen, Kantaten und geistliche Werke ebenso wie Opern. Nachdem die Qualität des Chors über viele Jahre von Lyudmila Yefimova erarbeitet und geprägt wurde, übernahm nach ihrem Tod 2018 Olga Yanum die Leitung des Ensembles.